Gütersloher Verein zu Förderung elektronischer Medien
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Allgemeine Infos

Vorstand

Bereich    Name    E-Mail
Vorsitzender Wolfgang Hein wolfgang.hein@gt-net.de
Technik Jan-Benedict Glaw jbglaw@lug-owl.de
Internet-Café Frank Starkenburg st@rkenburg.de
Finanzen Gundula Pauli gunpauli@yahoo.de
Öffentlichkeitsarbeit Kristina Geilhaupt krissi-gt@gmx.de


Die Ziele des Vereins

Der Verein fördert die Volksbildung, indem er die Kompetenz und Akzeptanz der Bevölkerung im Umgang mit elektronischen Medien stärkt, die Bevölkerung im Umgang mit der Datenkommunikation als neuer, wichtiger Kulturtechnik schult, sowie auf die Chancen und Risiken, die diese neuen Technologien bieten, hinweist. Ziel des Vereins soll sein, die Bevölkerung Güterslohs in die Entstehung des Netzes einzubeziehen und Bildungseinrichtungen, Wirtschaft, Politik und anderen Interessengemeinschaften, die in Gütersloh tätig sind, Möglichkeiten zu eröffenen, ihre Informationen in elektronischer Form zugänglich zu machen.

Der Verein fördert die Kultur, indem er Errichtung und Betrieb eines Internet-Cafés in Gütersloh bewirkt. Dort wird für alle Bürger der Stadt und des Umlandes die Möglichkeit bestehen, die neuen Kulturtechniken der computergestützten Online-Kommunikation zu erlernen. Das Internet-Café bietet allen Menschen die Möglichkeit, an der neuen Kommunikationskultur teilzuhaben, diese gleichzeitig selbst zu erschaffen und auszugestalten. Im Internet-Café werden Projekte angeboten, die den Zugang zum WWW (World-Wide-Web, Weltweites Netz) für breite Bevölkerungskreise erschließen und dessen vielfältige Chancen näher bringen bzw. griffbereit machen. Im Blickfeld des Vereins liegt damit einerseits die Weiterqualifizierung von Mitarbeitern und die Information von Kunden/Geschäftspartnern, andererseits aber auch die Annäherung bisher in der Computeranwendung unterrepräsentierter Bevölkerungskreise an das neue Medium - im Hinblick auf eine globale Vernetzung der Haushalte, aber auch in anbetracht eines Informations- und Datenaustausches zwischen Institutionen und Generationen.

Seminare und Workshops, die wir in der Weberei anbieten werden, sind offen für alle. Es wird Seminare für den Bereich Online, Betriebssysteme und Kaufberatung geben. Interne Workshops und öffentliche Stammtische zu HTML, Java und Grafik sind geplant bzw. in Vorbereitung.

Der Verein organisiert Messefahrten zu den großen Computermessen in Deutschland wie CeBit, CeBit Home, Hobbytronic oder diverse Online-Messen. Die Anmeldetermine und -bedingungen erscheinen rechtzeitig in den örtlichen Medien. Es können auch Nichtmitglieder teilnehmen.

Der G@TE e.V. unterstützt das Projekt dreier Privatveranstalter, die ein Computertreffen im Multimediaraum der Weberei organisieren. An dieser Veranstaltung nehmen auch Händler aus der näheren Umgebung teil, die sich dort vorstellen wollen. Das wichtigste ist aber: Jedermann/frau kann seinen Computer mitbringen und gemeinsam Shareware (frei zugängliche Software) tauschen, Probleme lösen oder sich einfach nur mit Gleichgesinnten unterhalten und/oder spielen. Diese Messe ist an einem Wochenende von Samstagmorgen durchgehend bis Sonntagnachmittag.

Mitglieder des G@TE e.V. treffen sich an jedem Mittwoch ab 19 Uhr zu einem geselligen Beisammensein in der Weberei, wo man seinen Rechner mitbringen kann, seine Probleme mit dem Computer vor Ort, mit Unterstützung der Mitglieder, löst oder einfach nur zusammen ist.

Die offizielle G@TE - Homepage ist über http://www.gate-ev.de erreichbar. Auf dieser Homepage gibt es Informationen über den Verein, die aktuellen Aktivitäten, Projekte und Ziele, die verfolgt werden.

Der Verein will mit Computervereinigungen und anderen Partnern kooperieren, um so seinem eigentlichen Ziel, ein Bürgernetz für den Telekom-Nahbereich Gütersloh zu initiieren, näher zu kommen.


Die Vision Internet

Das Internet begann technisch als ein möglichst ausfallsicheres Netzwerk zwischen einigen Militärrechnern. Schnell wurde daraus ein weltumfassendes Netz mit einem riesigen Informationsgehalt. Zuerst schloss sich die Forschung daran an, um die Kommunikation und Diskussion mit möglichst vielen anderen Personen zu ermöglichen. Kurze Zeit später folgten Privatleute und Firmen. Heute ist das Internet nicht nur für Technikfreaks, sondern bietet auch für den Normalbürger interessante Inhalte.

Das Internet wird sich immer weiter zu einem kommunikationstechnischen Muss entwickeln, wie es heutzutage das Telefon ist. Wenn erst einmal eine technische Lösung gefunden ist Dokumente zu unterschreiben, wird das Internet sämtliche Papierunterlagen überflüssig machen. Alle Verträge, Briefe, Telegramme u.a. würden über das Internet geschickt werden. Wenn sich die Bandbreite des Internets weiterentwickelt, wie sie es in den letzten fünf Jahren getan hat, dann wird es nicht mehr lange dauern, bis Internet-Telefonie und das viel erwähnte Video-On-Demand Wirklichkeit werden.

Im Moment ist die technische Entwicklung des Internets so rasend schnell, dass selbst Insider Probleme bekommen, auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Was wird denn dann aus den normalen Bürgern? Bisher ist ihnen der Zugang zu den riesigen Informationsmengen im Internet mangels technischer Möglichkeit verwehrt geblieben. Kaum jemand ist bereit, sich mit den technischen Einzelheiten des Internets vertraut zu machen. Hier entsteht ein Spalt, der immer größer wird: Die Notwendigkeit, Informationen zu besitzen, und die Komplexität, diese zu bekommen.

Der G@TE e.V. möchte allen Menschen die Möglichkeit bieten, an diesen Informationen teilzuhaben und sich mit der Benutzung eines solchen technologisch-anarchistischen Systems vertraut zu machen; denn in nicht allzuferner Zukunft wird die Fähigkeit, mit solchen Medien umzugehen, über die persönliche Zukunft jedes einzelnen entscheiden.


Das Bürgernetz

Was ist ein Bürgernetz?
Ein Bürgernetz ist ein kommunales Computernetz, dass sich sowohl physisch als auch inhaltlich auf den kommunalen oder regionalen Bereich erstreckt. In ihm werden Informationen transportiert, die besonders für diesen begrenzten Bereich von Bedeutung sind. So können z.B. Behördeninformationen, Informationen von Parteien, Vereinen und der örtlichen Wirtschaft dort zugänglich gemacht werden.
Ein solches Netz hat vor allem zwei Funktionen:
Erstens soll es auf kommunaler Ebene die Grundversorgung auf dem Gebiet der Datenkommunikation zwischen den Bürgern, der Verwaltung, politischen Parteien und anderen Interessengruppen gewährleisten. Dadurch sollen sich die positiven Effekte, die eine Nutzung der Datenkommunikation auf das Gemeinwesen hat, direkt auf der kommunalen Ebene auswirken können.
Zweitens soll ein kommunales Netz Ortsunkundigen die Möglichkeit bieten, sich schnell in der Kommune zurecht zu finden, vom Auffinden des Hotels bis zur unkomplizierten Kontaktaufnahme mit örtlichen Interessensgruppen.

Die Idee des kommunalen Computernetzes kommt aus Amerika und es gibt für sie die verschiedensten Bezeichnungen. Die schönste - und eine der kürzeren - ist "Local-Civic-Net", zu deutsch "Lokales Bürgernetz".


Brauchen wir das Bürgernetz?
Eine Nutzung der Datenkommunikation auf kommunaler Ebene kann eine Vielzahl positiver Effekte haben, von denen hier einige genannt werden sollen:
Stärkung der Gemeinschaft
Von einer stärkeren Kommunikation der Bürger untereinander erhofft man sich ein besseres Verständnis der Bürger füreinander, sowie eine stärkere Einbindung der Bürger in kommunale Abläufe. Dadurch wird insgesamt das Interesse der Bürger an kommunalen Belangen gestärkt. Außerdem gibt die neue Form der Kommunikation den Bürgern die Möglichkeit, besser zueinander zu finden, um so ihre Probleme selbst in die Hand zu nehmen. Die neue Technik wird also - richtig angewendet - eine Stärkung der kommunalen Gemeinschaft zur Folge haben.

Förderung von Bildung und Medienkompetenz der Bürger
Indem die Technologie mit interessanten und nützlichen Diensten angeboten wird, wird einem großen Teil der Bevölkerung die Datenkommunikation als wichtige Kulturtechnik näher gebracht. Die Kompetenz der Bürgerinnen und Bürger im Umgang mit dem neuen Medium wächst. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Bildung der Bevölkerung.

Stärkung der Wirtschaft
Ein kommunales Netzwerk ermöglicht es auch kleineren ortsansässigen Anbietern, die nicht in der Lage sind, in großen Datennetzen zu operieren, mit Hilfe des Bürgernetzes ihre lokale Zielgruppe zu erreichen und dieses als Vertriebsweg zu nutzen. Ein wichtiger Faktor im Kampf der örtlichen Wirtschaft gegen die sicherlich stärker werdende auswärtige Konkurrenz.

Demokratisierung
Ein Bürgernetz trägt dazu bei, die demokratischen Abläufe innerhalb der kommunalen Gemeinschaft zu verbessern und weiterzuentwickeln.
Ein kommunales Datennetz schafft einen neuen öffentlichen Raum für politische Diskussionen. Der einzelne Bürger kann sich an eine Vielzahl von Mitbürgerinnen und Mitbürgern wenden ohne eine Demonstration organisieren zu müssen oder einer redaktionellen Kontrolle zu unterliegen.
Gleichzeitig ermöglicht die Datenkommunikation eine einfachere Organisation politischer Interessen, was pluralistische Aspekte stärkt.
Die Datenkommunikation ermöglicht es der Regierung, schnell, umfassend und zu geringen Kosten Kontakt mit den Bürgern oder Teilen der Verwaltung aufzunehmen und erleichtert Bürgergruppen die Lobbyarbeit.
Bürger können sich über das Netz direkt an ihre Repräsentanten wenden.
Schließlich lässt sich ein Bürgernetz auch nutzen, um Abstimmungen durchzuführen. Die Möglichkeiten reichen dabei von Meinungsumfragen bis zum "electronic voting" (elektronische Wahlen). Die entsprechenden Vorbehalte gegenüber derartigen Meinungsbildern gelten natürlich auch hier.

Optimierung von Verwaltungsabläufen
Obwohl sich das papierlose Büro mittlerweile als nicht realisierbar herausgestellt hat, so zeigt sich dennoch, dass die elektronische Post effektivere Kommunikation ermöglicht. Die Verwaltung hat ferner die Möglichkeit, Antworten auf oft gestellte Fragen (z.B. über Abläufe bei der Abwicklung verschiedener Vorgänge) an zentraler Stelle zugänglich zu machen und Informationsanfragen damit zu reduzieren.

Um den Nutzen eines Bürgernetzes zu beurteilen, muss man sich der Entwicklungen im Bereich der Datenkommunikation bewusst sein.
Die ersten Bürgernetze entstanden in Amerika zu einer Zeit, als an einen Anschluss aller Haushalte an globale Computernetze wie das Internet nicht gedacht wurde. Solche globalen Netze waren Forschung, Regierung und Militär vorbehalten.
Die ersten Bürgernetze sollten also erstmals ermöglichen, dass die positiven Effekte, die man sich von dieser schnellen und mächtigen Form der Kommunikation versprach, auch der Kommune und vor allem jeder Bürgerin und jedem Bürger zugute kommen.
Das Ziel der "Datenkommunikation für jeden" war im kleineren kommunalen Rahmen leichter zu erreichen als im nationalen oder gar internationalen.
Heute hingegen ist die Anbindung aller Haushalte an leistungsstarke Datenleitungen kurz davor Realität zu werden. Es muss also gefragt werden, ob ein Bürgernetz unter diesen Bedingungen überhaupt noch Sinn macht.
Tatsächlich werden in naher Zukunft alle Bürger - die nötigen finanziellen Mittel vorausgesetzt - die Möglichkeit haben, Datenkommunikation zu betreiben. Die Netze, die dafür von großen Anbietern, sogenannten Providern, angeboten werden, sind aber als kommunale Infrastruktur ungeeignet. Die neuen Netze werden sich an ein internationales Publikum richten, und die Möglichkeiten zur Interaktion werden sich auf ein hohes Maß an Informationsfluss zum Konsumenten hin, und ein geringer Datenfluss (Kaufentscheidungen, Auswahl eines pay-per-view Films) zum Anbieter zurück beschränken. Ein bidirektionaler, interaktiver Austausch liegt nicht im Interesse dieser Anbieter.
Ein Bürgernetz hat ganz andere Aufgaben. Es soll die Kommunikation zwischen Bürgern und Verwaltung, Bürgern und Politik und Bürgern untereinander gewährleisten und auch denjenigen Bürgerinnen und Bürgern sowie kleinen Firmen, die nicht die Mittel haben in großen Datennetzen zu agieren, die Möglichkeit geben, zu günstigen Preisen ihre Zielgruppe zu erreichen.

Die Technologie der Datenkommunikation ist in ihrer Bedeutung mit den Stromnetzen zu vergleichen, die am Anfang unseres Jahrhunderts aufgebaut wurden. Wenn die Kommunen es versäumen, hier eine eigene Infrastruktur zu schaffen, werden sie später - wie bei den Stromnetzen - gezwungen sein, die benötigten Ressourcen zu teuren Preisen von privaten Monopolisten zurückzukaufen. Es ist daher wichtig , dass die Kommunen auf diesem Gebiet ein Mindestmaß an Selbständigkeit erreichen.


Wie errichtet man ein Bürgernetz?

Technik
Die Auswahl der Technik sollte sich an folgenden Gesichtspunkten orientieren:
1. Freier Zugang für Nutzerinnen und Nutzer (User)
Damit ein freier und einfacher Zugang für die User möglich ist, müssen öffentliche Terminals aufgestellt werden, an denen auch Bürgerinnen und Bürger, die sich keinen eigenen Computer leisten können oder wollen, die Möglichkeit haben, das Netz zu nutzen. Diese Terminals sollten an öffentlich zugänglichen Orten wie beispielsweise den Bürgerhäusern, Verkehrsknotenpunkten, bei den Stadtwerken, im Bahnhof, in Sparkassen, der Stadtbücherei und der Stadtbibliothek stehen. Weitere öffentliche Terminals können als Kundenservice von Firmen etwa in Kaufhäusern, Kinos, Hotelfoyers etc. angeboten werden.
Für Nutzerinnen und Nutzer, die das Bürgernetz mit Hilfe eines Modems von Zuhause aus nutzen wollen, müssen Einwählverbindungen - sogenannte Dial-Ins - geschaffen werden.
Um einfache Nutzung auf jeder Plattform zu gewährleisten, darf es sich bei Hard- und Software nicht um eine Insellösung handeln. Gefordert sind vielmehr standardisierte Anwendungen.

2. "General Authorship", d.h. die Möglichkeit, für jeden zu jeder Zeit Informationen anzubieten
Auch unter diesem Gesichtspunkt ist eine standardisierte Technik wichtig. Im Hinblick auf die Topologie (Struktur) des Netzwerkes erfordert der Anspruch der "General Authorship", dass lokale Mailboxen sowie Verwaltungs- und Firmennetze leicht in das Bürgernetz integriert werden können.

3. Möglichst große Unabhängigkeit des Bürgernetzes
Um eine möglichst große Unabhängigkeit zu erreichen, sollte sich ein möglichst großer Teil der Technik im Besitz des Bürgernetzes oder der Stadt befinden. Dies gilt natürlich auch für die Terminals und Server. Idealerweise sollte der Backbone ebenfalls dazugehören. Nun ist es u.U. nicht sinnvoll, einen solchen Backbone allein für ein Bürgernetz zu errichten. Es stellt sich die Frage, wie die Stadt in Zukunft ihren Bedarf an Kommunikationsinfrastruktur decken will.


Bedarfsträger für eine solche Infrastruktur sind z.B.:
  • Die Stadtverwaltung mit ihren verschiedenen Dienstgebäuden
  • Die Energieversorger mit ihren dezentralen Messpunkten, Verteilerschränken etc.
  • Die Universität mit ihren verteilten Instituten
  • Die Stadtsparkasse mit ihren Filialen
  • Die Krankenhäuser
  • Der städtische Verkehr mit ÖPNV, Verkehrsleitsystemen, Ampelanlagen etc.
  • Andere Betriebe mit mehreren Standorten
  • Das Bürgernetz
  • You name it!
Eine Bündelung des Bedarfs ist in jedem Fall ökonomisch sinnvoll.
Die genannten Bedarfsträger - allesamt "Kommunikations-Großverbraucher" - sollten also prüfen, ob sie schon über eigene Kapazitäten verfügen und wie diese realisiert sind. Dann sollten sie sich - etwa in einem neuen Unternehmen - zusammentun und einen eigenen Backbone (wahrscheinlich ein Glasfaserkabel in städtischen Kanälen) errichten, um Kapazitäten an die einzelnen Bedarfsträger zu vermieten. Auch dem Bürgernetz könnte dann Bandbreite in diesem Netz bereitgestellt werden.
Verlockend scheint eine solche Initiative vor allem im Hinblick auf das endende Telekom-Monopol, das es der Stadt in absehbarer Zeit erlauben würde, Kapazitäten auch an Dritte zu verkaufen.


Belebung

Öffentlichkeit in der Planungsphase
Schon in der Planungsphase muss die Öffentlichkeit massiv an den Entscheidungen beteiligt werden. Die Bevölkerung muss über die Möglichkeiten des neuen Mediums informiert werden, damit sie reichlich davon Gebrauch macht. Außerdem können so die Bedürfnisse und Anregungen der Bevölkerung berücksichtigt werden.

Informationsanbieter
Auch die größeren Informationsanbieter (kulturelle Einrichtungen, Wirtschaft, Medien etc.) müssen schon in der Planungsphase Gelegenheit erhalten, das Netz nach ihren Bedürfnissen mitzuformen. Informationsanbieter müssen sich auch fragen, welche Dienste (z.B. Reservierungsservice) sie außer der reinen Information anbieten wollen, wie sie den zu erwartenden Feedback verarbeiten und wie sich die neue Art der Kommunikation auf ihre interne Organisation auswirken wird.
Dies gilt insbesondere auch für die Verwaltung.

Schulung
Die schönste Informationsinfrastruktur nützt nichts, wenn keiner sie bedienen kann. Es müssen daher starke Anstrengungen unternommen werden, um die Bevölkerung zu informieren und im Umgang mit dem neuen Medium zu schulen. Eine Schulung muss sich sowohl über die Informationsbeschaffung im Netz als auch auf das Anbieten von Informationen erstrecken.
Die Schulung der Bevölkerung liegt im Interesse aller, die das Netz benutzen und Informationen über das Netz verbreiten wollen. Öffentliche Hand, private Träger und Wirtschaftsunternehmen sollten sich also schon im Vorfeld des eigentlichen Betriebs um diesen Punkt kümmern. Schulungen können beispielsweise vom Verein Bürgernetz durchgeführt werden, finanziert durch die obengenannten Informationsanbieter.

Trägerschaft
Im Bereich der Trägerschaft besteht ein Konflikt zwischen den Interessen der Öffentlichen Hand an Kontrolle von für sie wichtigen Inhalten der eingesetzten Mittel einerseits, sowie dem Ideal eines von Zensur und anderen Interventionen freien Kommunikationsraumes für die Bürger andererseits.
Für die Stadt ist die Schaffung einer Kommunikationsinfrastruktur, wie sie oben beschrieben wird (Backbone, öffentliche Terminals), mit erheblichen Kosten verbunden.

Gleichzeitig hat die Stadt großes Interesse im Bereich der Kommunikation zwischen der Verwaltung und den Bürgern und möchte in diesem Bereich auch Kontrolle über die transportierten Inhalte haben. Unter diesem Aspekt wird die Stadt also eher eine öffentliche Trägerschaft bevorzugen.
Die Kommunikation der Bürger untereinander, die dem Ideal der "General Authorship" gerecht werden soll, verlangt jedoch nach einem freien, anpassungsfähigen Medium, in dem Kontrolle eine untergeordnete Rolle spielt, und das die Möglichkeit für unbürokratische private Initiative bietet.
Diesen Anforderungen würden einer freien Trägerschaft eher gerecht.

Zum Glück schließen sich die o. g. Möglichkeiten nicht gegenseitig aus. Alle Einrichtungen, die der Stadt hohe Kosten verursachen und für die Abläufe der Verwaltung wichtig sind, können in der Hand der Stadt bleiben. Trotzdem können in dem Bereich, der die Kommunikation der Bürger untereinander betrifft, private Träger aktiv werden.

Die Stadt kann den Backbone, öffentliche Terminals in ihren Einrichtungen und die Dials-Ins (Modems) errichten.
Die Stadt kann dann die Kommunikation der Verwaltung mit den Bürgern über das Bürgernetz unter eigener Kontrolle organisieren. Dabei bleibt die geschaffene Infrastruktur vollständig Eigentum der Stadt.
Gleichzeitig kann die Stadt sich aber aus dem Bereich der Bürgerkommunikation heraushalten, indem sie die entsprechenden Dienste nicht anbietet.

Um den privaten Bedarf an Kommunikation der Bürger zu decken, stellt die Stadt freien Trägern, die gemeinnützigen Kriterien genügen, ihren Backbone zu geringen Kosten oder kostenlos zur Verfügung. Diese können dann mit eigenen Mitteln die Kommunikation der Bürger untereinander organisieren.

Die offene Topologie des Netzes ermöglicht es, dass alle Systeme im Netz - öffentlich oder privat - von jedem Terminal aus erreichbar sind. Die Informationen der Stadt kann man also über ein öffentliches Terminal der Stadt, ein öffentliches Terminal eines freien Trägers oder einer Firma, von einem Firmen-LAN oder vom heimischen PC aus erreichen. Dies gilt für alle Informationen, die im Bürgernetz angeboten werden.

Ein solches, öffentlich-privates Trägerschaftsmodell befriedigt und vereint die verschiedenen Interessen aller Beteiligten.


Schlusswort

Das kommunale Computernetzwerk soll ein Abbild der realen Gesellschaft sein, nicht nur ein Ausschnitt aus ihr. Daher ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen an die elektronische Datenkommunikation herangeführt werden.
Die Fähigkeit, elektronische Datenkommunikation zu nutzen, ist eine Kulturfertigkeit mit rapide zunehmender Bedeutung. Es muss jedoch sichergestellt sein, dass niemandem aus Kostengründen der Zugang zu einem kommunalen Computernetz verwehrt bleibt. Um die schon genannten Prozesse in Gang zu setzen und der Bevölkerung Kompetenz im Umgang mit den neuen Medien zu vermitteln, ist es wichtig, dass alle Bürgerinnen und Bürger in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre die Gelegenheit haben, die Datenkommunikation zu nutzen.

Danke für die Inspiration und Information an Lars von Olleschik,
Verein Bürgernetz, büne e.V.